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„This door ist too small (for a bear)“ ist der Titel von Grace Ellen Barkeys neuer Arbeit mit sechs TänzerInnen der Needcompany. Eine absurde Abfolge an Szenen, die heiter-hintergründig dafür plädiert, alles weniger eng zu sehen. Als Zuschauer sollte man das auch nicht.

„Wie wäre es, wenn ein Bär der Besitzer des Waschsalons wäre, der kürzlich nebenan eröffnet hat?“, fragte sich Grace Ellen Barkey und setzte mit dieser Überlegung eine Serie freier Assoziationen in Gang, die unter dem Titel „This door ist too small (for a bear)“ als ihr neues, mit TänzerInnen der Needcompany erarbeitetes Stück auf der Bühne zu sehen ist.

Zu eng wäre – das absurde Gedankenexperiment weitergeführt – nicht nur die Tür für das große Tier, um die Wäscherei zu betreten; zu eng – sagt die Choreografin – ist vor allem der Rahmen, in dem sich unser Verstand bewegt und nur allzu eingeschränkt zu denken und zu phantasieren wagt. Wohin kann nun eine Reise gehen, wenn diese Schranken überwunden werden und man dem Fluss der Phantasie frei vom Zwang nach Logik oder Kohärenz ungehindert seinen Lauf nehmen lässt?

Grace Ellen Barkey führt ihre sechs außerordentlichen Performer auf diese Reise und lässt sie in einem wundersamen Waschsalon beginnen: Zur Geisterstunde wie es scheint, denn allerlei farbenfrohes Phantasiegetier mit Rüsseln und Fühlern (ein freudiges Wiedersehen mit den hinreißenden Häkelmonstern aus „Chunking“, das 2006 in Wien zu sehen war) entsteigen der Nacht. Waschmaschinen aus Schaumstoff erwachen zum Leben, ein persilgrüner Saubermann in Bärengestalt wandelt durchs Wäschekabinett, weiße Westen hängen an spinnenförmigen Gestängen von der Decke, Bügelbretter beginnen marionettengleich zu tänzeln und sprechen, Schläuche und menschliche Glieder verbinden sich zu bizarren Wesen, Leiber und Maschinen verwringen sich heillos ineinander. Als nach diesem ersten Bild der Maschinenlärm verstummt und die Tänzer in Menschengestalt entspannt den Raum einnehmen, scheint alles wieder auf den Boden der Realität gekehrt zu sein. Doch die Fahrt durch skurrile Traumgefilde, durchs Paradies der unerlaubten Gedanken geht erst richtig los und zieht ein Motto konsequent durch – Frank Zappas Satz „Absurdity is the only reality“.

Wenn am Ende sanfte Electronic-Rhythmen den Zuschauer umgarnen, während sich die liebeswütigen Gestalten in einem filigranen Fabelwald aus meterhohen Holzschnitt-Fächern erlöst in die Arme schmiegen, könnte man beinahe vergessen, dass die freie Assoziationskette des 90-minütigen Abends über abstruse Schnittstellen und durch mehrere Untiefen gesteuert ist. Grace Ellen Barkeys Choreographie ist ein Trip durch ein nicht ganz unbekanntes Inventar an Metaphern zu den ungelösten Rätseln von Sinn und Sein, auf den man sich bereitwillig und humorvoll einlassen muss, um in den Genuss seiner bewusstseinserweiternden Substanz zu gelangen.

Needcompany: „This door ist too small (for a bear)“, Kasino am Schwarzenbergplatz, 15. Juni 2011

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