images/tanzlogov1.png

Hausgeist IvonGerade weil jedes Kind weiß, dass Gespenster in bodenlange, weiße Leintücher gehüllt sind und schwarze Augenlöcher haben (Bühne und Kostüme Matthias Dielacher), hofft das erwachsene (Zuschauer-) Kind insgeheim, einmal einen anderen Geist kennenzulernen, Neues über diese, seine Welt zu erfahren. Es handelt sich ja immerhin um einen Umtriebigen im Theater-Dachboden. 

Aber gut, er macht sich zwischen den grau-durchscheinenden, herabhängenden Stoffbahnen und dem schwarz-spiegelnden Boden immer wieder sehr hübsch aus: Wenn sich durch Drehungen etwa ein dekorativer Faltenwurf bildet oder, wenn der verärgerte, unzufriedene Geselle zu rhythmusbetonender Musik stampfend über die Bühne kreist: dekorativ umflattert ihn seine Umhüllung. Dass er allerdings auch – wie jedes Kind weiß – kettenrasselnd erscheinen muss, wäre nicht wirklich zusätzlich notwendig. 

Da gelingen in der ersten Phase, wenn er in einer Zwischenwelt verstört um Halt sucht, stärker Fantasie anregende Passagen, ja kurze poetische Momente; die endgültige Loslösung von dieser Welt lässt gerne mitgleiten. Hausgeist2

Weniger inspirativ lauten dann allerdings des Geistes rückblickende Gedanken. Decken sie sich doch stark mit dem, was sich so mancher immer wieder einmal im Nachhinein bedauernd oder auch vorwurfsvoll denkt über Geschehenes. Daran ändern auch die ihm gestellten Fragen – als Schrift an der Wand – nichts Wesentliches, da nur wenige überraschende Antworten im eigenen Kopf oder in des Geistes geäußerter Stellungnahme von ihnen evoziert werden.

Hausgeist3Nett immerhin, dass er gut sichtbar und akustisch einprägsam vorführt, dass er doch nicht durch die Wand kann – aha!

Das, was von diesem sehr menschlichen, hin und wieder durchaus liebenswerten oder auch bedauerlichen Geist im Gedächtnis bleiben mag, ist seine Frage: „Ist es wirklich schon zu spät? Zu spät wofür?“ Dieser in Weiß gehüllter Gedanke bleibt in sensibler Schwebe. 

„Hausgeist oder I Wish You Were Here“, Konzept: Navaridas & Deutinger, Regie und Choreografie: Marta Navaridas, Text sowie Hausgeist: Alex Deutinger. Eine Kooperation von Schauspielhaus Graz und Navaridas & Deutinger, Premiere am 15. Juni im Schauspielhaus Graz; Nächste Vorstellung 24., 25. Juni und 21. September und 2021