IvoAnnetteBikDem großen Tänzer, Choreografen, Lehrer, Mentor und Menschenfreund Ismael Ivo widmete das ImPulsTanz-Festival, dessen Mitbegründer, künstlerischer Berater und Begleiter er war, eine Gedenk-Veranstaltung. Der am 8. April 2021 in deiner Heimatstadt Sao Paulo an Covid-19 Verstorbene hätte es genossen, was da an Wertschätzung und Liebe ihm und seiner Kunst, dem Tanz, entgegengebracht wurde.

Die Liste all derer, die es gedrängt hatte, einen, ihren Beitrag zu dieser Feier der Kunst beizusteuern, ist lang. Das einleitende Video „Ismael Ivo Tribute“ von Maximilian Pramatarov warf ein Schlaglicht auf Leben und Werk des Künstlers und Menschen Ismael Ivo. Die Begrüßungsrede des Intendanten Karl Regensburger leitete den Reigen der vielen, sehr unterschiedlichen künstlerischen Kurz-Performances ein.IvoKarlRegensburger

Ivo Dimchev sang „Travelling Light“, Johannes Odenthal sprach über Ivo, führte ausführlich in seine Gedankenwelt, seine Intentionen und sein Leben. „Die Veränderung der Wahrnehmung ist die Grundlage für die Veränderung der Welt.“ Chris Haring/Liquid Loft zeigten einen Ausschnitt aus ihrem „posing project“, getanzt von Stephanie Cumming, Katharina Mewes und Anna Maria Nowak, Doris Uhlich blieb sich in ihrem „Solo für Ismael“ treu und entledigte sich ihres weißen Anzuges, Benedikt Leitner vom Klangforum spielte „Small Chant for Chello“ von Toshio Hosokawa,  Koffi Kôkô sprach und performte ein afrikanisches Ritual, Raja Feather Kelly beindruckte mit seinem magischen Solo „A Bow“ zur Musik von Henry Purcell, gesungen von Jessye Norman, Louise Lecavalier tanzte das Solo „Louise Mantra“ aus ihrem Stück „Battleground“, Akemi Takeya trug gemeinsam mit dem Drummer Didi Kern ihren „A Song for Ismael“ auf japanisch vor, Germaine Acogny tanzte ein „Gebet für Ismael“, Jose Agudo begeisterte mit seinem Solo „Hero“ zur Musik von Bernhard Schimpelsberger, die von ihrer Beinverletzung genesene Dada Masilo tanzte die finale, so berührende Opferungs-Sequenz aus ihrem vor wenigen Tagen uraufgeführten Stück „Sacrifice“, begleitet von der Sängerin Ann Masina und den Musikern Tlale Makhene, Leroy Mapholo und Nathi Shongwe, Susanne Linke tanzte ihr Solo „Für Ismael“ zur „Prelude“ Op. 28, Nr. 24 von Frédéric Chopin, Markus Deuter vom Klangforum Wien ließ sich bei seiner in einer Loge gespielten „In Nomine – all'ongherese“ für Englischhorn von György Kurtág vom Umbau-Geschehen auf der Bühne, die Begrünung per Rollrasen zwang zur Konzentration auf die Musik, nicht stören. Auf diesem live mit Wasser besprengten Rasen zeigte Breanna O'Mara einen Auszug aus „1980“ von Pina Bausch, gefolgt von einer Video-Sequenz aus Ivos Stück „a biblioteca de babel“, eine von mehreren eingestreuten filmischen Beiträge aus dem Schaffen Ismael Ivos, aus seinen Werken, von Workshops, Reden und Interviews.  

IvoDorisUhlichDie Violinistin Annette Bik vom Klangforum Wien spielte J. S. Bachs „Allemanda Double“, während im Hintergrund Fotos von Ismael Ivo als Tänzer und Mensch und aus seinen Choreografien gezeigt wurden. Zum letzten gezeigten Bild des Ge- und Verehrten, im weißen Anzug, mit verschränkten Armen gerade in das Auditorium schauend, regnete es Blütenblätter. Nicht ausgeblendet, dankte das Publikum mit stehenden Ovationen. Jeder nahm Abschied, so lange es brauchte.IvoSusanneLinke

Unter den 800 anwesenden Zuschauer*innen waren viele Künstler*innen, Wegbegleiter*innen, Workshop-Teilnehmer*innen und Freunde, denen er mit seiner Liebe zur Kunst und zum Menschen, seiner kompromisslosen Positivität und seiner einzigartigen Ausstrahlung ihre eigene Laufbahn ebnete, förderte, Mut gab zum Weitermachen und den Kampf nie aufzugeben. Sein Kampf insbesondere gegen Rassismus war ein Kernthema seiner Kunst und seines Lebens, beispielgebend für Viele. 

IvoGermaineAcognyEine Feier des Tanzes in seiner Vielfalt an Formen, Stilen und Ausdrucksmöglichkeiten. Koffi Kôkô erwähnte auch, dass er sicher hier sei, er, Ismael. Er hat es genossen. Ganz sicher. So wie wir.

„In Memoriam Ismael Ivo“ am 1. August 2021 im Wiener Volkstheater im Rahmen von ImPulsTanz.

 

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