KatharinaSchifflDas Direktorenteam der Wiener Staastsoper stellte heute in einer Matinee die nächste Saison vor. In einer abwechslungsreiche Spielplanpräsentation mit Gustostückerln aus Oper und Ballett erörtete Staatsoperndirektor Bogdan Roščić im Dialog mit dem musikalischen Direktor Philippe Jordan, dem Ballettchef Martin Schläpfer und anderen das Programm. Eine gekonnte Inszenierung, die der Qualität, die an diesem Haus tagein, tagaus geboten wir, durchaus entsprach.

Teil des Bühnenbildes, ein Tisch und einige Sessel aus der „Parsifal“-Inszenierung, deren Premiere nur im Fernsehen erlebbar war, aber in der nächsten Saison im Repertoire bleibt, nützt der Staatsoperndirektor für seine Gespräche. Selbst diese bescheidene Ausstattung muss weichen, wenn Martin Schläpfer seine Pläne präsentiert.ROSCIC SCHLAEPFER

Das Wiener Staatsballett holt in der Saison 2021/22 nicht nur Versäumtes nach. Vom ursprünglichen Spielplan 2020/21 wurde lediglich Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ als Premiere in der Volksoper übernommen. In der Wiener Staatsoper wird es mit „Liebeslieder“ und „Im Siebten Himmel“ zwei mehrteilige Programme geben. Aus letzterem zeigte Marcos Menha ein Solo aus „Marsch, Walzer, Polka“ zu Josef Strauß' „Sphärenklänge“ in der Choreografie von Martin Schläpfer. Am selben Abend kommt ein Stück von Marco Goecke (zu Mahler) zur Uraufführung. Den Geist der weißen Akte des romantischen Balletts versprüht das Wiener Staatsballett dann mit George Balanchines „Symphonie in C“ von Georges Bizet (14. November 2021).

MarcosMenhaDer „Liebeslieder“-Abend steht wiederum ganz im Zeichen der amerikanischen Moderne von Balanchines Namen-gebenden Choreografie zu Brahms‘ Walzer, über Jerome Robbins' „Other Dances“ bis zu Lucinda Childs, von der erstmals ein Werk im Repertoire des Wiener Ensembles zu sehen sein wird: „Concerto“ zur Musik von Henryk Mikolaj Górecki (14. Jänner 2022). Die letzte Uraufführung der Saison bildet Schläpfers Kreation zu Haydns „Jahreszeiten“ (30. April 2022). Failla McGee

Zum Abschluss der Vorstellung des Ballettprogramms im Haus am Ring, tanzten Fiona McGee und Calogero Failla ein Duett aus Schläpfers „Sinfonie Nr. 15“ von Dmitri Schostakowitsch, das noch in dieser Saison am 26. Juni zur Uraufführung kommt.

SCHLAEPFERNäheres über die neue Saison des Wiener Staatsballetts inklusive der Premieren an der Volksoper und Repertoirevorstellungen folgt demnächst. Doch nun zurück zur Spielplanpräsentation an der Staatsoper, die naturgemäß ganz im Zeichen der Opernproduktionen stand. 

Die Opernpremieren

In der neuen Spielzeit werden Meilensteine der Opernliteratur von Mozart, Wagner und Alban Berg in neuen Inszenierungen an die Wiener Staatsoper kommen. In „Don Giovanni“ (5. Dezember) führt Barrie Kosky Regie, der das Werk auf einem Spaziergang im Burggarten erklärte, die musikalische Note lieferten Patricia Nolz und Erwin Schrott auf der Bühne mit dem hintergründigen Verführungslied „Là ci darem la mano – Reich mir die Hand, mein Leben“.NOLZ SCHROTT

Martina Serafin sang die Schlussarie aus „Tristan und Isolde“, mit dessen Inszenierung sich erstmals Calixto Bieito auseinander setzten wird (14. April). „Wozzeck“ wird von Simon Stone auf die Bühne gebracht. Einen Einblick in die Bedeutung des Werkes gaben an diesem Morgen Philippe Jordan und Christian Gerhaher, der die Titelpartie singen wird (21. März). Auch Claudio Monteverdi wird wieder zu sehen und zu hören sein, nämlich „L’Orfeo“ in der Inszenierung von Tom Morris (11. Juni). Aus der derzeit gespielten „L’Incoronazione di Poppea“ sangen Kate Lindsey und Slávka Zámečníková das Schlussduett und wurden dabei vom Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Pablo Heras-Casado begleitet. Alle drei werden auch bei der neuen Monteverdi-Produktion mitwirken.

LINDSEY ZAMECNIKOVADie Stars der globalen Opernbühnen wie Anna Netrebko, Elīna Garanča oder Jonas Kaufmann und viele mehr gastieren natürlich auch in Wien und sind oft in mehreren der 18 Werke in der nächsten Saison zu sehen und zu hören. In der Matinee berührte Nicola Car mit ihrer Interpretation von Desdemonas Gebet aus „Otello“. 

Im Rossini-FieberFLOREZ

Einen Schwerpunkt nimmt Gioachino Rossini ein. Aus Anlass seiner Ankunft in Wien vor 200 Jahren, der einen regelrechten Rossini-Hype auslöste, feiert man den Maestro des Belcanto 2022 ganz besonders. Da wäre die Premiere am 21. März von „Il Babiere de Siviglia“ in der Regie von Herbert Fritsch und mit Juan Diego Flórez als Graf Almaviva (beide kamen zu einem kurzen Gespräch auf die Bühne), vor allem aber das Festival “Rossini-Mania”, für das sogar die Saison bis in den Juli verlängert wird. Cecilia Bartoli, demnächst auch Intendantin der Oper in Monte Carlo, kommt mit dem dortigen Orchester und gibt – man glaubt es kaum – ihr Debut an der Wiener Staatsoper. Zu hören und zu sehen ist sie in „La Cenerentola“ (28. Juni), „Il Turco in Italia“ (3., 5., 7. Juli) sowie in einer Benefizgala am 8. Juli. In einer Videoeinspielung plauderte Cecilia Bartoli über ihr Verständnis von Koleraturen und gab mit der Arie „Nácqui all’affanno“ gleich einen Eindruck davon.

Schiffl JORDAN ROSCICUmrahmt von Mozarts „Figaro“ – mit der Ouvertüre, gespielt vom Wiener Staatsopernorchester unter Philippe Jordan zu Beginn und der Arie der Gräfin, gesungen von Diana Damrau, am Ende – navigierte Bogdan Roščić in dieser knapp zweistündigen Veranstaltung souverän zwischen Gesprächen, Live-Auftritten und Videoeinspielungen und machte so Lust auf die nächste Saison, die hoffentlich wie geplant ablaufen wird. Der Kartenverkauf beginnt am 8. Juni. 

www.wiener-staatsoper.at

Die Spielplanpräsentation ist noch auf dem YouTube-Kanal der Wiener Staatsoper zu sehen.