Selten schaffen es Solisten, so vielschichtige und wohltuende Klangwelten zu erzeugen wie Mario Berger mit der Gitarre. Nun hat der einstmals im Austropop vielbeschäftigte Künstler seine dritte CD „Guitarras Mágicas“ veröffentlicht, als Hymne an die Möglichkeiten seines Instrumentes. Und auch als eine Zeitreise entlang seiner eindrucksvollen Musiker-Karrierre mit fünf unterschiedlichen Gitarren.
Natürlich besitzt Mario Berger (62) mehr als fünf Gitarren. „Achtzehn Stück hängen bei mir zu Hause“, erzählt er im Gespräch. Die haben sich in seinem musikalisch reichhaltigen Leben angesammelt, das den Ausgang an der Musikhochschule in Wien nahm, heute die MDW, Universität für Musik und darstellende Kunst. Dort studierte er klassische Gitarre mit Konzertfach und Musikpädagogik und ist heute noch dankbar dafür. „Austausch mit anderen gab es wenig, aber ich habe dort Technik und Disziplin gelernt“.
Als Student in der Dependance Seilerstätte frequentierte er natürlich das legendäre Lokal der Jazz Gitti und wollte Jazzgitarrist werden. Doch es kam anders, als er ein Angebot der ebenfalls zufällig in der Seilerstätte probenden Hallucination Company annahm und als deren Gitarrist zum ersten Mal durch Österreich und Deutschland tourte. „Damals schon hat sich abgezeichnet, dass die Stilvielfalt zwischen Klassik und Rock mein Ding ist“.
Bald darauf gründete er die Band „Espresso“ und machte Tourneen mit Günther Mokesch, damals erfolgreich mit dem Hit „Send me Roses“. Die Jahre mit Rainhard Fendrich folgten und danach war Berger Studiomusiker für viele prominente Künstler*innen wie Marianne Mendt, Sandra Pires, Wolfgang Ambros, Georg Danzer, um nur die berühmtesten zu nennen. Mit ihnen spielte er natürlich auch in Konzerten und komponierte für sie Lieder.
Irgendwann war ihm klar, dass nun seine eigene Kreativität im Vordergrund stehen sollte. Es erschienen die CDs „Latin Hearts“, „Sentimento“ und jetzt eben „Guitarras Mágicas“. „Nach meiner Popmusik-Karriere habe ich mich auf die klassische Gitarre konzentriert und auf jene Musik, die mir wirklich nahe ist, nämlich die südländische. Als ich vor vielen Jahren in Sevilla zum ersten Mal Flamencospieler auf der Straße gehört habe, war mir klar, dass ich diese rhythmische und gefühlvolle Musik liebe, und auch den Salsa“.
Und hier entdeckte er auch, dass die klassische spanische Musik, die er als Student kennengelernt hatte, viel damit zu tun hatte. „Zum Beispiel Manuel de Falla. Ich wußte auf einmal, woher der seine Einflüsse hatte“. Auch Bergers Kompositionen atmen den Duft des Südens, wie auf „Sentimento“ zu hören ist. Doch für die neue CD und das aktuelle Konzertprogramm schlug der Musiker einen neuen Weg ein. „Ich wollte eine Brücke schlagen zwischen meinen Anfängen und den vielen Stationen meiner Karriere, den verschiedenen Gitarren, die ich im Laufe der Zeit gespielt habe und entschied habe mich dann für fünf davon. Das neue Programm ist ein wilder Querschnitt durch mein Leben und jene Musik, die mich dabei begleitet hat.“
Die musikalische Reise beginnt mit einem beliebten Tanz des 16. Jahrhunderts, der auf Festen in der Renaissance oft gespielt wurde, dem Canario. Berger wählte die von ihm sehr geschätzte barocke Komposition des spanischen Gitarristen Gaspar Sanz und startet damit die Zeitreise. Natürlich präsentiert er damit gleichzeitig sein überragendes musikalisches Können auf der akustischen Gitarre, die auch in der darauffolgenden Polka namens „Die verwöhnte Frau“ zum Einsatz kommt. Nach dieser temperamentvollen Eigenkomposition bietet eine Coverversion von Carlos Santanas „Samba pa ti“ Gelegenheit, die E-Gitarre vorzustellen und natürlich Bergers absoluter Kompetenz auf jener.
Sehr schräg ist ein hawaianischer Song, „Morning Dew“, den Berger in lupenreinem hawaianisch singt, begleitet von E-Gitarre, Ukulele, Jazzgitarre und der Dobro, jener speziellen Resonatorgitarre. Nächstes Highlight der CD ist J.S.Bachs Bourée, die zuerst klassisch akademisch ertönt, aber dann zu einer Salsa-Nummer mutiert. „Damit wollte ich einem chilenischen Freund beweisen, dass auch Bach grooven kann“, so Berger. Darauf passt gut Bergers Komposition, „Peace on Earth“, ein melodiöses Lied, das wie ein sphärischer Traum klingt.
Den urprünglichen Traum vom Dasein als Jazzgitarrist zitiert Berger dann mit einem Dachbodenfund namens „Jazz am Dachboden“. Tatsächlich entdeckte er erst vor zwei Jahren Notenblätter mit jazzigen Eigenkompositionen aus der Studienzeit. „Damals habe ich das zwar geschrieben, war aber technisch noch gar nicht soweit, das auch spielen zu können“, erzählt Berger. Und auch eine Reverenz an die Rockmusik darf in seinem Lebensbogen nicht fehlen, und da kann nur der König der Rockgitarre mit ins Programm genommen werden, Jimi Hendrix. „Foxy Lady“ in Bergers Interpretation bietet die Gelegenheit zu erkennen, wie vielschichtig Hendrix‘ Musik auch war, nicht nur laut.
Köstlich ist die Coverversion eines Liedes von Rainhard Fendrich von 1995, der seinerseits einen Song von Lovin‘ Spoonful aus 1966 gecovert hatte, „Wos wor do in dem Tee drin“ („What a day for a daydream“). Zum Finale dann ein legendäres, romantisches Wiener Lied von Karl Hodina, „Kirschen“, das Berger seiner Lebenspartnerin Wilma widmet.
Liebhaber*innen echter Musik, von einem Künstler mit großem Können gespielt, sei dieses Kleinod wärmstens empfohlen.
