VOLLACKWenn man sich die Frage stellt, wie eine Choreografie entstehe, kann die Antwort eine sehr kurzweilige sein: Dann, wenn sich die Möglichkeit bietet, bei einem weitgehend authentischen Kreations- und Arbeitsprozess dieser Art und Zielsetzung unmittelbar dabei zu sein, also dem "Tanz ganz nah" – wie der Untertitel der erfolgreichen, auch derzeit sehr gut besuchten Reihe "ABC des Tanzes" lautet. 

Kurzweilig und gleichzeitig informativ dann, wenn die Choreografin, die Grazer Ballettdirektorin Beate Vollack, mutig genug ist, tatsächlich eine erst in groben Zügen bestehende Szene ancora publico im Detail zu kreieren, weiter zu erarbeiten, Im gegebenen Fall eine aus dem 2.Akt von „Undine“ von Hans Werner Henze; Premiere ist am 19.Februar.  

Gemeinsam mit Eleven der Ballettschule Graz, deren Lehrer und Tanzpädagogen, Tänzer Arthur Haas und der an diesem Abend Undine verkörpernden Lucie Horná, die seit der Saison 2018/19 Mitglied im Ballett der Oper Graz ist.

Die bei aller Konzentration als sehr entspannt zu erlebende Arbeitsatmosphäre auf Augenhöhe ermöglichte den Zusehern eine tatsächliche Annäherung an das, was hier geleistet wird, wenn mehr oder weniger klare Bilder im Kopf der Choreografin Schritt für Schritt zu Bewegungssequenzen werden. „Das ist noch zu sehr Ballett, das soll welliger sein“, „Ihr seid keine Tausendfüßler, sondern individuelle Wasserwesen“ lauten Anweisungen, die aber eher Vorschläge sind, Bewegungs-Anregungen; oftmals schmunzelnd eingeworfen und derart entsprechend druckbefreit auch mit etwas Individualität – soweit es eben der Ballett-Rahmen erlaubt - umgesetzt werden. Auch von der Solistin, wenn es etwa heißt, ob sie vielleicht Blickkontakt zu den Tänzerinnen des Corps de Ballett aufnehmen könne. Das, was oft lediglich als etwas sterile, weil ferne Ästhetik der Bewegung wahrgenommen wird, kommt Dank derartiger Erfahrung näher, wird lebendig im Hier und Jetzt. Gewinnt an Bedeutung.  Symbolfoto Undine

Wenn in der abschließenden, gut halbstündigen Fragerunde erfahrbar wird, wieviel an Trainingsstunden die Schülerinnen, die schon zwischen 6-13 Jahren trainieren, in ihre Leidenschaft stecken, wenn vom hilfreichen Muskelgedächtnis (Haas) und vom schwierigen Mitzählen (Vollack) berichtet wird, vom Umsetzen der Musik in Bilder, die ein Thema ausmachen, langsam zu einer Geschichte werden, zu der es keine nachzuzeichnende, sondern eine kreative Form zu finden gilt, wie Vollack den für sie charakteristischen  Schaffungsprozesse beschreibt; dann wird so manches dieser Tanzwelt menschlicher, handfester, begreifbarer und der Arbeitsaufwand, hochgerechnet als drei Stunden Arbeit für eine Minute Musik, mit noch mehr Hochachtung vorstellbar. 

ABC DES TANZES: ‚UNDINE‘ so entsteht eine Choreografie, Studiobühne der Oper Graz, 4.2.2022.
„Undine“, Premiere am 19. März 2022 in der Oper Graz, weitere Vorstellungen: 20., 23., 24. März; 2., 7., 8., 11., 13. 18., 20. Mai 

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