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zeldafitzgeraldIn den Roaring Twenties galten sie als eines der Traumpaare: Zelda Fitzgerald, geborne Sayre und der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald, einer der Hauptvertreter der Moderne. Doch sie gehörten auch der sogenannten „Lost Generation“ an, die mit ihren Alkohol- und Drogenexzessen regelmäßig in den Schlagzeilen vertreten waren.

Zelda Fitzgerald war eine begeisterte Tänzerin, schaffte es aber nicht, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Einige veröffentliche Artikel und ihrer Novelle „Save me the Waltz“ zeugen von ihrer schriftstellerischen Begabung. Einige ihrer Kurzgeschichten sind unter dem Namen ihres Mannes erschienen. Auch als Malerin schaffte sie nicht den ersehnten künstlerischen Durchbruch. Ab 1930 verbrachte sie immer wieder längere Zeit in Nervenkliniken.

Die Tatsache, dass der Schriftsteller immer wieder die Persönlichkeit seiner Frau bis zur Verwendung von Passagen aus ihrem Tagebuch literarisch verarbeitete sowie Zeldas eigene künstlerische Bemühungen, veranlasste Katrin Boese zu einem Roman über das Leben dieser Frau.

Das Leben von Zelda Fitzgerald wird aus der Perspektive ihrer Freundin seit Jugendtagen, Sara Mayfield, neu beleuchtet, bekannte Fakten werden in Frage gestellt. In ihrem Text lässt Boese Originalzitate von Scott und Zelda Fitzgerald sowie von Freunden und Bekannten der beiden einfließen. Boeses biografischen Recherchen führen zu einem Bild, das der offiziellen Version entgegensteht, die wie folgt lautet: „Ihre voreheliche Beziehung zu Scott gestaltete sich problematisch: Er nahm es übel, dass sie andere Männer traf, während sie ihm die Liebe schwor; sie neidete ihm seine Fähigkeiten als Schriftsteller, hielt ihn zugleich aber für schwach und unentschlossen … Während diese Rivalitäten auch nach der Heirat im Jahre 1920 weiterschwelten, wurde die Ehe durch Scott's zunehmenden Alkoholismus - er und Zelda waren in den 1920ern durchgehend sehr starke und regelmäßige Trinker - und durch Zeldas fortschreitende mentale Beeinträchtigung, welche schließlich als Schizophrenie diagnostiziert wurde, zusätzlich belastet.“ (Wikipedia)

Laut Boese war die Ehe mit Scott Fitzgerald von Anfang an die Hölle für die schöne, unkonventionelle und lebenslustige Frau. Denn nicht Zelda neidet Scott seine Fähigkeiten als Schriftsteller, sondern Scott hat Angst vor dem Talent seiner Frau und nützt dieses schamlos für seine eigenen Zwecke. Er versucht ihre Bestrebungen nach (finanzieller) Unabhängigkeit zu unterbinden und spielt bei den Einweisungen in die Nervenheilanstalten eine zwielichtige Rolle. Es entsteht ein Verschwörungsszenario. Scott manipuliert die Ärzte – unter anderem wird ihr das Schreiben verboten, um seine Ziele zu erreichen. Diese sind allerdings nicht klar nachvollziehbar. Doch angesichts seines Alkoholmissbrauchs ist der Schriftsteller wohl nicht imstande strategisch zu handeln und daher ist es wieder plausibel, dass es ihm einfach nur um Kontrolle und Macht geht. Was immer seine Motive sein mögen, es gelingt ihm, seine Frau zu ruinieren. Zelda Fitzgerald gibt nach und nach ihre Ambitionen – zuerst im Tanz, dann beim Schreiben und schließlich beim Malen auf und zerbricht am Psychoterror.

Das Buch ist eine spannende Lektüre im Stile eines Hitchcock-Thrillers. Wir folgen der  langsamen Zerstörung einer Frau, die – auch zeitbedingt – weder über den Einfluss noch über die Fähigkeiten verfügt, sich aus der Tyrannei ihres Mannes zu befreien.

Die Frage nach der biografischen Wahrheit stellt sich bei einem Roman nicht, aber Boeses Darstellung ist durchaus glaubwürdig.

 

Katrin Boese

„Zelda Fitzgerald. »So leben, dass ich frei atmen kann«“

Aviva Verlag, 2010

ISBN798-3-932338-43-4

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