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DonQuixote IconTeil 1 des Rückblicks auf DVD-Highlights 2015 und davor. Wer seinen Blick in die Welt des Balletts vertiefen will, hat zahlreiche Optionen, sich auf DVD Best-of-Interpretationen für den heimischen Bildschirm zuzulegen. Unter den führenden Ensembles hat, so die Jahresbilanz, insbesondere das Royal Ballet die Bedeutung der Kommerzialisierung seiner Tanzkunst für das eigene Image erkannt. Quantitativer Gewinner im Rennen um Themen war das Ressort der Klassiker.

Angesichts in jeder Generation über das Normalmaß hinauswachsender Künstler ein sowohl retrospektiv als auch zukunftssicherer, niemals versiegender Quell: Jahr für Jahr einige Tschaikowsky-Ballett-Versionen mehr – gehen immer. Auf andere Meisterwerke wartet man dagegen vergeblich. Und kann nur hoffen, dass Direktorenwechsel wie zuletzt in Berlin, 2016 in München oder 2018 in Stuttgart (hier allerdings wohl kaum) kostbare Abendfüller wie John Crankos „Romeo und Julia“, „Der Widerspenstigen Zähmung“ und „Onegin“ nicht aus dem aktiv gepflegten Repertoire kippen. Von Mats Ek, der – nun über 70 – zugleich mit seinem Rückzug aus dem Choreografen-Metier auch die Präsenz seines Œuvres auf Bühnen auslaufen lassen will, verbleiben immerhin einige wichtige und aus der Tanzgeschichte nicht mehr wegzudenkende Arbeiten auf DVD.

LeCorsaire2Ein großer Reiz wohnt darüber hinaus dem Blick über die Grenzen der heimischen Theater bzw. des eigenen Landes inne – ohne den Aufwand von Reisestrapazen. Besonders wenn die Wiederaufnahme der 2007 von Ivan Liška gemeinsam mit Doug Fullington (dem Spezialisten für die russischen Niederschriften von Petipas Originalchoreografien) auf Werktreue hin erarbeitete Münchner „Le Corsaire“-Neufassung digital eine auf Kirov-Überlieferungen zurückgehende Fassung flankiert: Virtuosität gepaart mit persönlichem Charme bringen in der 2014 im Londoner Coliseum festgehaltenen Aufführung Alina Cojocaru (von den Zehenspitzen bis hinauf in die Windungen ihres Nackens!) und Vadim Muntagirov (als energisch-schlank und ranker Piraten-Beau) an der Spitze des von Tamara Rojo geleiteten English National Ballett ganz im spätromantischen Sinn der Geschichte auf den Punkt. Der eher dem Luxus eines Harems zugeneigten Gulnara gibt Erina Takahashi allzeit liebreizend-perfekt Ausdruck. In einer temporeichen – von Bob Ringwood historisierend prächtig neu in Szene gesetzten – Choreografie, die Anna-Marie Holmes ursprünglich Ende der 1990er Jahre für Boston und das American Ballet Theatre geschaffen hatte (Opus Arte). Die in Bayern wieder ausgegrabene, bezaubernde Nummer des kleinen Korsaren für Medora im zweiten Akt bleibt natürlich aus. Angesichts der vielen Ausstattungs- und Bewegungsdetails empfiehlt sich hier die Blu-ray! Den aufmüpfigen Birbanto tanzt übrigens ein in letzter Zeit gern zu mitteleuropäischen Galas geladener Gast: Yonah Acosta.

Die DVD-Charts führt 2015 freilich Yonah Acostas Onkel Carlos Acosta an. Passend zu dessen Verabschiedung nach 17 Jahren beim Royal Ballett (in eigener „Carmen“-Version und der Doppelrolle Don José/Escamillo) kombinierte Opus Arte (das Hauslabel des Royal Opera House) zum Jahresende drei Klassiker mit dem Wundertänzer in einer Box: „The Carlos Acosta Collection“ vereint eine prachtvolle Vorstellung von Kenneth MacMillans „Romeo und Julia“ (2007; Julia: Tamara Rojo!) mit Acostas bilderbuchhaft-frischer „Don Quixote“-Kreation für das Royal Ballet (2013). Marianela Nuñez ist die geborene Kitri an Carlos Seite – und im Ensemble geht dermaßen die Post ab, dass man sich gern öfter als nur einmal durch diese traditionsbewusst quirlige Interpretation schaut. Die Zukunftsvisionen des 43-Jährigen reichen trotz solcher Erfolge weiter: Er plant für sein Heimatland Kuba die Gründung einer Modern Dance-Company.AcostaDances

Zurück zu den Anfängen des Genres Handlungsballett, in dem nicht mehr Figuren der Mythologie oder Vertreter eines hohen Standes, sondern durchschnittliche Menschen aus dem Volk im Mittelpunkt stehen, bringt uns das dritte Ballett dieses Package: Frederick Ashtons „La Fille mal gardée“ – derzeit live im Repertoire der Wiener Staatsoper zu erleben. 2005 tanzte Acosta mit Marianela Nuñez als Partnerin die Rolle des Colas. Doch damit nicht genug! Unter dem Titel „Ballet Spectacular“ stellte das Royal Ballet schon zuvor eine Triple-Box aus dem Reservoire von der BBC mitgeschnittener Meisterwerke zusammen. Neben genannter Version der „Schlecht behüteten Tochter“ Peter Wrights berührende, erstmalig 1966 für Stuttgart erarbeitete und aktuell im Spielplan am Covent Garden wieder präsente „Giselle“ (2006; in den Hauptpartien der Londoner Fassung von 1985: Alina Cojocaru und Johan Kobborg) sowie – nebenbei als Schmankerl für Tanzhistoriker – Ninette de Valois „Coppélia“. Eine Kompilation, die man auch „Nuñez Dances“ hätte nennen können, schließlich beherrscht die famose Argentinierin in Gestalt der Myrtha zumindest inhaltlich den zweiten „Giselle“-Akt. Ihr Part im „Coppélia“-Mitschnitt aus dem Jahr 2000 ist Swanilda. Für alle Fans des virilen, aus Havanna stammenden Tänzers sei dieses originelle „Automatenballett“ mit  Carlos Acosta als jung verliebtem Franz unter den Best-of-DVDs genannt.

BalletSpectacularDa wir uns mitten in einem Zeitalter des medialen Überflusses befinden, in dem parallel ältere Aufzeichnungen und, mit zunehmender Konsequenz, Neuproduktionen publiziert werden, fordert ausgerechnet Ashtons 1960 uraufgeführte „La Fille mal gardée“ den Vergleich heraus. Eine Gegenüberstellung, die bestens vor Augen führt, was neben tradiertem Schrittmaterial Terpsichores Kunst lebendig hält und das Publikum zu wiederholten Besuchen bekannter Stücke motiviert: die individuellen Fähigkeiten und technischen Qualitäten ganz unterschiedlicher Künstlerpersönlichkeiten.

Die konservierte Wiederaufnahme des Royal Ballet vom 5. Mai 2015 ist bei Weitem nicht die einzige Einspielung des Dauerbrenners. Wie Heinz Spoerlis Anfang der 1980er Jahre für Paris entstandene, dann durch sein Basler Ensemble übernommene und nur mehr digital erlebbare Umsetzung (1986, mit Martin Schläpfer als tollpatschigem Alain; Deutsche Grammophon) basiert die Story auf dem im Revolutionsjahr 1789 in Bordeaux aus der Taufe gehobenen Hauptwerk des stark von Jean-George Noverre beeinflussten Ballettmeisters Jean Dauberval.filleSpoerli

Noch zu Ashtons Lebzeiten (1981) hielt man filmisch eine Vorstellung mit Lesley Collier und Michael Coleman fest. 35 Jahre später unterhält sich nun in einem Extra-Feature Ex-Ballerina Darcey Bussell – seit 2012 Präsidentin der Royal Academy of Dance – mit der einst so schön frechen Lise-Interpretin. Es ist ein Talk vor dem Background der um Quantensprünge in die körperliche Exzellenz hinein explodierten Traditionskunst: 2015 von einem Traumpaar verkörpert, bei dem die Namen eigentlich schon alles sagen: Natalia Osipova und Steven McRae. Perfektes Fußwerk, nonchalant kombiniert mit sagenhaftem Spieldrive. Keine Spur von verstaubtem Museumstouch! Ein Attribut, das sich übrigens genauso auf die im März 2015 auf eine Silberscheibe gebannte, kaiserlich-opulent aufgemachte „Schwanensee“-Inszenierung von Anthony Dowell (1978) übertragen lässt, in der Matthew Golding liebesblind daran scheitert, Osipovas herrlich zerbrechliche Odette von ihrer feurig-fatalen Odile zu unterscheiden. Sujet-Ausreißer wie Jean-Christophe Maillots „Lac. After Swan Lake“ (eine regelrechte Thriller-Adaption für die technikstarken Les Ballets de Monte Carlo; Opus Arte) oder Alexander Ekmans „A Swan Lake“ (Arthaus Musik) für das Norwegische Nationalballett blieben diesmal aus.

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English National Ballet: "Le Corsaire"

 

Carlos Acoste beim Royal Ballet: "Romeo and Juliet", "Don Quixote", "La fille mal gardée"

Daraus "Don Quixote":

... "Romeo and Juliet":

 und "La fille mal gardée"

 

Royal Ballet: "Giselle", "Coppélia", "La fille mal gardée"

Daraus: "Giselle"

 "La Fille mal gardée" von Heinz Spoerli (Basler Ballett):

 La Fille mal gardée mit Lesley Collier und Michael Coleman (Royal Ballet):

"La fille mal gardée" mit Natalia Osipova und Steven McRae (Royal Ballet):

 

 "Swan Lake" von Anthony Dowell mit dem Royal Ballet:

 

"Lac After Swan Lake" mit Les Ballets de Monte Carlo:

 "A Swan Lake" mit dem Norwegischen Nationalballett:

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