Das Tanzstück "Viva la Vida. A Tribute to Frida Kahlo" des Choreographen Enrique Gasa Valga stellt sich einer gewaltigen Aufgabe: das vielschichtige, von Schmerz und Leidenschaft geprägte Leben der ikonischen Malerin Frida Kahlo in Bewegung zu übersetzen. Dank ausgezeichneter Musiker, allen voran die Sängerin Greta Marcolongo, und einem engagierten Tänzerensemble gelingt es dem Choreografen die emotionale Komplexität der Künstlerin einzufangen.
Frida Kahlos Leben zwische Kunst, Krankheit, chaotischen Liebesbeziehungen und einer komplizierten Ehe mit dem Maler Diego Rivera wurde zu einem Symbol für ein außergewöhnliches Frauenschicksal, das Künstler*innen unterschiedlicher Sparten immer wieder zur Reflexion inspiriert hat.
Bei Enrique Gasa Valga ist sie größer als dass sie in eine Person passen würde. Er teilt die Rolle der Protagonistin auf zwei Tänzer*innen auf, wobei Alice Amorotti die junge, unbeschwerte Frida und Lara Brandi ihr reiferes Alter Ego ausdrucksstark in Bewegung setzt. In ihren Soli findet das Stück seine intensivsten Passagen. 
Die Geschichte, die in sechs Szenen prägende Momente aus ihrer Biografie herausgreift, entfaltet sich in einem bildhaften, farbsatten Ambiente mit dem Set Design von Helfried Lauckner und den Kostümen von Birgit Edelbauer-Heiss. Das Bühnenbild, ein labyrinthartiger Garten mit präkolumbianischen Skulpturen, verweist intelligent auf Kahlos Bezug zur mexikanischen Heimat.
Einige der Tableaux vivants sind direkt aus Kahlos Gemälden entlehnt – etwa eine choreographierte Version von "Die zwei Fridas" oder "Die gebrochene Säule”. Der Einsatz von Projektionen, die Details der Gemälde über die Körper der Tänzer*innen fließen lassen, schafft immersive Momente. Die Darstellung von Kahlos Busunfall wird in Klang und eindrucksvollen Bildern eingefangen. Hier gelingt es, nicht den Schmerz zu illustrieren, sondern ihn physisch erfahrbar zu machen. Das Korsett wird vom Kostüm zum choreografischen Werkzeug, das die Bewegung einschnürt.
Man mag einwenden, dass Gasa Valgas Inszenierung insgesamt zu schön, zu perfekt komponiert ist, dass sie das Rohe, Ungeschliffene, Wütende und auch das Bizarre in Kahlos Leben und Kunst zu sehr glättet. Das ist zumindest der Eindruck, den der erste Auftritt der jungen Frida erweckt, wenn sie mit Grands Jetés fröhlich über die Bühne fegt. Doch immer wieder gelingt es dem Choreografen eine Bewegungssprache zu entwickeln, der die emotionale Welt der Künstlerin einfängt. Auch in den Ensembleszenen überzeugt der Choreograf je mehr er sich von der ästhtischen Vorgaben des Bühnentanzes entfernt und derberes, ungeschliffeneres Bewegungsmaterial zulässt.
Dieses korrespondiert auch wunderbar mit der Musik, die die gesamte emotionale Bandbreite der Frida Kahlo trägt. Die unvergleichliche Sängerin Greta Marcolongo wird von einem großartigen Musikerensemble begleitet, das in einer klugen Musikdramaturgie mit Mariachi-Klängen, südamerikanischen Gassenhauern und berührenden Boleros einen folkloristischen Klang- und Gefühlsteppich ausbreitet. “Sous le ciel de Paris” und “Puttin’ on the Ritz” illustrieren die Reisen nach Paris und New York. Hier legt das Tanzensemble sogar eine flotte Stepp-Nummer aufs Parkett.
Enrique Gasa Valgas "Viva la Vida. A Tribute to Frida Kahlo" ist ein visuell gelungenes, handwerklich solides Tanztheater, das in einer Abfolge von erzählerischen Szenen und Ensembletänzen kurzweilig durch den Abend gleitet um auf einer nachdenklichen Note zu enden. Der Titel erklärt sich aus der finalen Szene, wenn Frida “Viva la Vida” an die Wand schreibt, bevor ihr letztes Gemälde, leuchtend rote Wassermelonen, die diese Worte tragen, eingeblendet werden.
Enrique Gasa Valga Dance Company: "Viva la Vida. A Tribute to Frida Kahlo" am 13. Jänner 2026 im MQW als Veranstaltung von Limelight Live Entertainment.
