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Peci Nussknacker2„Mein erster Nussknacker“ nennt Eno Peci seine Version des Tschaikowski-Ballettklassikers. Dieses „erste Mal“ trifft auf den Choreografen ebenso wie auf die Tänzer*innen – Studierende der Ballettakademie und Mitglieder der Jugendcompagnie der Wiener Staatsoper – als auch auf einen Großteil des jungen Publikums im NEST zu. In dieser charmanten Interpretation betreten sie gemeinsam eine Traumwelt in Drosselmeyers Nuss- und Schokoladenladen.

Die Story folgt grosso modo der Originalgeschichte des Balletts aus dem 19. Jahrhundert; die Übersetzung in die Gegenwart konzentriert sich in erster Linie auf die Tanzsprache. Mit einem zeitgenössischen Bewegungsschwung trifft Eno Peci das Zeitgefühl der jungen Generation. Mit Verve, beachtlichem Können und jugendlicher Energie toben sie in den wunderbaren Tanzeinlagen über die Bühne.Peci Nussknacker5

Noch hat der Konfektladen geschlossen, als Clara und Fritz dort auftauchen und sich gegenseitig geschwisterlich ärgern. Als Fritz sich beim Versteckspiel nicht mehr auffinden lässt, sinkt Clara erschöpft zusammen und fällt in einen Schlaf. Im Traum erscheinen Drosselmeyer und sein Team, das gut gelaunt die Ladenöffnung vorbereitet. In ihrem Outfit erinnern sie an Hotelportiere. Bald kommt eine Reihe von Familien vorbei. Eltern und Kinder streiten, bis sie von der Hotelcrew mit Nüssen versorgt werden, mit denen sie akrobatische Kunststücke tanzen. Die dazugehörigen Nussknacker kommen in einer Riesennuss auf die Bühne. 

Peci Nussknacker3Auf Mäuse verzichtet man in dieser Produktion. Der Kampf der Kinder gegen eine Einbrecherbande (angeführt von Federico Allegro) macht die Geschichte jedoch nicht weniger spannend und sogar plausibler. Drosselmeyer (Pier Abadie) gelingt es schließlich, sie von ihren kriminellen Absichten abzubringen und mit den Familien zu versöhnen. Am Ende wird Clara aus ihrem Schlaf erwachen und einen Nussknacker in Händen halten. War es also mehr als ein Traum?Peci Nussknacker6

Die Inszenierung schafft den Spagat zwischen traditionellem Ballett und heutiger Interpretation mit Witz und erstaunlicher Leichtigkeit. Dazu tragen auch die altmodischen und fröhlich mit Farbakzenten durchsetzten Kostüme von Nina Paireder bei, die eine heitere Stimmung verbreiten. Geschickt deutet Peci in den Nationaltänzen folkloristische Elemente an, ohne zu explizit zu werden. Tschaikowskys Musik lässt sich abseits kultureller Zuschreibungen tänzerisch eben vielfältig interpretieren. (Etwas mehr Sorgfalt wünscht man sich allerdings bei der Akustik der Toneinspielungen, die teilweise schmerzlich schrill aus den Lautsprechern tönen.)

Peci Nussknacker4Natürlich fehlen weder der Schneeflockenwalzer noch der Grand pas de deux, das virtuose Finale des Balletts, bei dem üblicherweise Ersten Solist*innen glänzen können. Auch hier hat sich Eno Peci für die jungen Tänzer*innen eine geschickte Variante einfallen lassen: Statt sie mit technischer Perfektion zu überfordern, lässt er sie als zu Eiskonfekt geformte Puppen auftreten, die wiederholt erstarren. In diesen Rollen bestachen Nanoka Shimada und Charlie Keffert mit technischer Sicherheit.Peci Nussknacker

Wunderbar ist auch, dass hier nicht nur auf Perfektion, sondern ebenso auf einen spontanen Umgang mit Unerwartetem gesetzt wird. So schaffen es die Tänzer*innen beispielsweise nicht immer, die Nüsse, die sich zuvor über die Bühne ergossen haben, in einer „Aufräumaktion“ einzusammeln. Sobald sie eine Nuss entdecken, klauben sie sie geschickt auf, ohne dabei ihren Tanz zu unterbrechen. Oder wenn sich Kopfbedeckungen verselbstständigen, wird daraus ein fröhliches Spiel, sie wieder aufzuspüren.

Bereits nach einigen Monaten unter der Leitung von Patrick Armand wird der Weg deutlich, den die Ballettakademie der Wiener Staatsoper einschlägt: Hier werden junge Menschen ganzheitlich und den Anforderungen der Gegenwart gemäß ausgebildet. Freilich sind sie weiterhin gefordert, technische Ballettmeisterschaft zu erlangen. Gleichzeitig werden sie nicht auf Uniformität gedrillt, sondern in ihrer persönlichen Entfaltung gefördert.

Und so macht „Mein erster Nussknacker“ allen Spaß – den jungen Leuten auf der Bühne ebenso wie dem Publikum im Saal.

Ballettakademie und Jugendkompanie der Wiener Staatsoper: “Mein erster Nussknacker”, Choreogafie und Gesamtkonzept: Eno Peci, Premiere am 25. März 2026 im NEST (Neue Staatsoper)

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