Claudia Bosse brachte mit „Evocation of Absent Landscapes“ verwundete Landschaften in Das Weiße Haus, einen Kunstraum in der Wiener Hegelgasse. Die Künstlerin und Choreografin setzt mit der multisensorischen Installation ihre Recherche „haunted landscape/s” mit dem theatercombinat fort. Mit „Evocation of Absent Landscapes“ öffnet Bosse einen begehbaren Ort für abwesende Landschaften, die anziehen und abstoßen, aufreißen und erschüttern. An fünf Terminen wurde die Installation von Künstler:innen, Performer:innen und Forscher:innen aktiviert und verändert.
Diese Landschaften sind durchzogen von Spuren, die ihre menschlichen und nichtmenschlichen Bewohner*innen hinterlassen haben. Sie beschwört die Begegnungen mit ihnen herauf, mit ihren Rissen und Wunden. Salz, Sand, Schlamm, Wolle und Haare rieseln und tropfen, sie besetzen die vertikalen und horizontalen Achsen der Galerie. Die ausgebreiteten Materialien treffen auf Videoarbeiten, in denen Körper Landschaften begegnen, die elftausend Kilometer entfernt sind. So entstehen Situationen, die anziehen und abstoßen, aufreißen und erschüttern. Zwischen Organischem und Anorganischem, Weichem und Flüssigem, zwischen Sound und Video entsteht ein berührbarer dritter Ort, ein erfahrbares, hybrides Zwischen.
Nach der Opening Performance wurde die multimediale Installation von Claudia Bosse und eingeladenen Künstler:innen aktiviert und verändert, heimgesucht von Gestalten, die zu anderen Lesarten einladen. Sie rufen mit ihren Körpern und Stimmen abwesende Landschaften auf und laden zu planetarischem Denken ein oder verschiedenen Lektüren der Welt.
Aus sommerlichem Zeitdruck konnte tanz.at nur die Opening Performance miterleben. Diese ist ein erweitertes Re-Enactment der ersten theatercombinat Performance im Berliner Podewil 1997 (“Sinn Egal. Körper Zwecklos”), visuell eindrücklich in Erinnerung über an ihren Haaren mit der Decke verbundenen Performer:innen. Die Performance „Evocation of Absent Landscapes“ ruft mit Stimme und Körper indonesische Landschaften an und feierte dieses Jahr in Stockholm Uraufführung. Die Performance „Cracks in Landscapes“ mit Salz, Erde, Latex und Ton ist ein performatives Poem, zu jeder Aufführung neu zusammengesetzt, bisher in Zagreb 2025 und in Genf 2026 in Erscheinung getreten.
Gleichzeitig werden auch völlig neue Interventionen entworfen.
“Voicing the Art” ist eine ungewöhnliche, audiodeskriptive Performance, die die Materialien der Installation als Landschaften beschreibt. Die Finissage am 11. Juli versammelt schließlich über acht Stunden Künstler:innen, Performer:innen und Forscher:innen von Landschaftsarchäologie, Weltraumarchitektur bis zu Tanz, die eingeladen sind, mit je eigenem Schwerpunkt mit den abwesenden Landschaften und der Installation in Kontakt zu treten.
Claudia Bosse / theatercombinat: „Evocation of Absent Landscapes”, Multisensorische Installation in Das Weiße Haus, 1. Bis 11. Juli 2026. Die Installation wird während ihrer gesamten Laufzeit durch Performances und Interventionen aktiviert. Opening Performance der Installation am 30. Juni 2026.