AftertheWonder4Die leeren, abgenutzten Räume eines ehemaligen Industriegebäudes sind zu einer Art Galerie geworden, wenn der ‚Kurator‘, vulgo der Choreograf und Tänzer Xianghui Zeng, sein Publikum vorbeiführt an den unterschiedlichen ‚Installationen‘ von Künstlern verschiedener Kunstsparten. 

Es sind bewegte Bilder der Auflösung von Gegebenem, der suchenden Unsicherheit und Angst sowie einer erdachten, gefürchteten oder doch hoffnungsvoll erträumten Zukunft.  Zeitgenössischer Tanz, interaktive Visuals, Live-Musik und Live-Malerei sind die ‚Umsetzenden‘ und ‚Darsteller‘ dieser Gedankengebilde der vorwiegend dystopischen Inhalte. Eine, die bei allem Beängstigendem in ihren Bann zieht, ja fesselnd berührt.AftertheWonderEP

Xianghui Zeng ist mit diesem Konzept des engen, zum Teil ungewöhnlichen Zusammenspiels von Künsten ein kreativ-mutiges Projekt gelungen. Als Tänzerinnen seiner Compagnie subsTanz überzeugen diese insbesondere in einem eingangs gezeigten, feinen und variationsreich-unüblichen ‚Pas de deux‘ entlang einer Wand. Aber auch in den üppig ausgestatteten End-Szenen, in denen alle Künste, nicht zu vergessen die der Bühnengestaltung (Tanja Schiefer) in Form durchaus gut und einprägsam eingesetzten Spiegel ein Gesamtbild der Hoffnung (?) kreieren, haben sie ihren gut eingesetzten Part. So, wie auch etwa in einem performativen Solo der Angst, des Alleinseins und des Ankämpfens gegen das Unbekannte.  Zengs eigener kurzer, tänzerischer Auftritt ist einprägsam als Marionette; und doch fehlt da – seinem Können entsprechend - der allerletzte befreiende oder vernichtende Höhepunkt. 

AftertheWonder3Umso mehr ist Zengs dramaturgische Arbeit in diesem Projekt als überaus gelungen anzuführen. Der einerseits wunderbare begleitende wie kontrapunktierende Einsatz der Live-Musik von nica&19hertz wie andererseits die wohlüberlegt gesetzten Soli der faszinierenden Singer-Songwriterin Luise Enzinger. Und schließlich, feinsinnig eingefügt in das Lichter- und Farbenmeer in einer der abschließenden Szenen: die Zartheit der Stimme von Nicola Alena Ceplak. Als retardierendes Moment in der optisch-akustischen Flut, in der des Emotionalen, ist Klaus Gmosers Live-Zeichnung zu bezeichnen; überzeugend mit dieser Intention also auch sie. Oft eingesetzt, aber weniger oft so stimmig: Visual Art, hier von Thomas Diemath.

Eine interdisziplinär atmosphärische Gestaltung gegenwärtiger, aktueller Gedanken und Überlegungen, Empfindungen, Befürchtungen und Hoffnungen – anregend offen für persönliche Interpretation.

subsTanz: After the WONDER, Hornig Areal Graz; 27. August 2026