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spiritBrigitte Fürle hat für ihre dritte Saison als künstlerische Leiterin im Festspielhaus St. Pölten ein attraktives Programm präsentiert, das neue künstlerische Positionen ebenso verhandelt wie die Kontinuität in der Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Martin Schläpfer weiterführt. Die ChoreografInnen Richard Siegal und Yuanyuan Wang werden in der kommenden Saison als Artists in Residence besondere Akzente setzen.

Partizipation ist im Festspielhaus St. Pölten groß geschrieben. In der kommenden Saison sind im Rahmen der Kulturvermittlung sieben Aufführungen und 82 Workshops programmiert. Zum Beispiel werden am 1. November St. Pöltner Communities mit Profis aus Dresden (darunter TänzerInnen der Semperoper und der Forsythe Company) in eine „Battle of Styles“ treten. Da stehen Street Dance und Bühnentanz einander gegenüber, um sich am Ende des moderierten und von einem DJ begleiteten Events auch noch zu vermischen.

Zur Zeit bevölkern etwa 30 Kinder aus Niederösterreich das Haus, um bei der Abschlussproduktion der laufenden Saison mit 25 TänzerInnen der Groupe Grenade in Josette Baiz’ Version von „Romeo und Julia“ auf der Bühne zu stehen (6. Juni). Die für ihre Jugendprojekte in Südfrankreich international beachtete Choreografin überträgt die Geschichte der Teenie-Liebe auf DarstellerInnen im Alter von Romeo (17) und Julia (16). Prokofjews Musik wird live vom Tonkünstler-Orchester Niederösterreich (TON) gespielt.ballettrhein

Das Residenzorchester spielt zum Tanz groß auf …

Das TON, Residenzorchester im Festspielhaus St. Pölten, ist auch 2015/16 nicht nur durch seine Musikabonnements (klassisch, jazzig oder kammermusikalisch) im Programm vertreten, sondern auch in drei Tanzprojekten. Mit Martin Schläpfers Ballett am Rhein wird das Orchester ja bereits am kommenden Samstag (18. April) den gemeinsamen Abend  „Sinfonien“ mit Werken von Wilhelm Killmayer und Johannes Brahms gestalten. Im nächsten Jahr steht das Orchester allerdings mit Mahlers 7. Sinfonie vor einer größeren Herausforderung, denn dafür muss der Orchestergraben dreistufig angelegt werden, um alle Musiker unterzubringen. Fürle, die in Schläpfer einen „Eisbrecher in das Ballett des 21. Jahrhunderts sieht“ konnte den anfänglich skeptischen Choreografen von der Kompatibilität des TON überzeugen. Denn: „Es geht ja nicht nur ums Musizieren, sondern immer auch ums Zusammenkommen“, sagt Schläpfer. Nun ist er aber zufrieden, denn ein Orchester garantiert freilich einen Qualitätssprung gegenüber jenen Gastspielen, bei denen die Musik vom Band kommt (– wie etwa auch an der Bayerischen Staatsoper, wo das Ballett am Rhein mit seinem Abend „7“ demnächst gastiert).

sashawaltzNicht weniger herausfordernd ist die Zusammenarbeit des TON mit Sasha Waltz zur Saisoneröffnung am 24. und 25. September. Hier galt es die Brücke zu schlagen zwischen einem 120-Mann-Orchester für „Arcana“ von Edgar Varèse und 13 Schlagzeugern für den Score von Iannis Xenakis. Die weiteren Stücke des Abends „Continu“ werden zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Claude Vivier getanzt. Der Abend basiert auf einer Weiterentwicklungen jener Projekte, die Waltz im Rahmen der Eröffnung des Neuen Museum Berlin und des MAXXI in Rom kreiert hatte.

Das dritte Projekt mit dem TON ist Ottorino Respighis „Trilogia Romana“ am 13. Februar, für die die katalanischen Gruppe La Fura dels Baus eine Reise durch Rom in einer spektakulären 3D-Videoproduktion in Szene gesetzt hat.

… auch Trommeln und Blechbläser sind zu hören

Live Musik gibt es auch beim Gastspiel der Compagnie Jant-Bi. Fünf Musiker und acht Tänzer bringt die 80-jährig Grande Dame des afrikanischen Tanzes Germain Acogny in ihrere Choreografie „Waxtaan“ am 21. Mai 2016 auf die Bühne des Festspielhaus St. Pölten.

Bei der Abschlussproduktion am 10. und 11. Juni 2016, die erstmals in Zusammenarbeit mit dem ImPulsTanz Festival Wien veranstaltet wird, marschieren Blechbläser gemeinsam mit regionalen Musikkapellen in „En avant, marche!“ auf. Die Inszenierung stammt vom Choreografen Alain Platel, Theatermacher Frank Van Laecke und dem Komponisten Steven Prengels, die bereits bei „Gardenia“ ein Team bildeten. Neben den zahlreichen MusikerInnen werden vier PerformerInnen auf der Bühne agieren.pinabausch

Ausgewählte Tanz-Gastspiele mit Zirkus

Endlich kommt auch wieder das Tanztheater Wuppertal nach Österreich und zwar mit Pina Bausch’ (1940-2009) letzter Choreografie „… como el musguito en la piedra, ay si, si, si …“, die sie anlässlich einer Residenz in Chile schuf (23. und 24. Oktober).

Lucinda Childs, die Ikone der Tanz-Postmoderne, bringt am 13. November die Revival von „Available Light“ nach St. Pölten. Das Stück entstand 1983 als multidisziplinäres Auftragswerk des Museum of Contemporary Art an den Komponisten John Adams, den Architekten/Bühnenbildner Frank O. Gehry und die Choreografin Lucinda Childs.

Nachdem der Auftritt mit dem Ballet de Lyon schon als ihr Bühnenabschied erklärt wurde, hat es sich Sylvie Guillem (zum Glück) noch einmal anders überlegt. Am 2. Dezember tanzen sie und ihre KollegInnen Brigel Gjonka, Emanuela Montanari und Riley Watts in Choreografien von William Forsythe, Mats Ek, Akram Khan und Russel Maliphant.

„Spirit“ nennt sich der Abend der schwedischen GöteborgsOperans Danskompani mit Stücken von Sidi Larbi Cherkaoui und Saburo Teshigawara (30. April 2016).

eloizeKanada scheint eine Art Monopol in Sachen Cirque Nouveau im Windschatten des Cirque de Soleil zu haben. Am 28. und 29. November zeigt der Cirque Éloize in der immer wieder bezaubernde Mischung aus Zirkus und Tanz eine fantastisch-futuristische Welt. „Cirkopolis“ wurde von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ inspiriert und choreografisch vom kanadischen Choreografen Dave St. Pierre umgesetzt.

Die ResidenzchoreografInnen

Artist in Residence Richard Siegal, ehemaliger Forsythe-Tänzer, unter anderem mit einem Bessie ausgezeichneter Choreograf sowie Gründer und Leiter der Plattform The Bakery für eine genreübergreifende künstlerische Zusammenarbeit, wird im Festspielhaus seine Kreation für die Ruhrtriennale 2016 erarbeiten. „Model“, seine Arbeit mit TänzerInnen des Bayerischen Staatsballetts für die Ruhrtriennale 2015, ist zusammen mit „Metric Dozen“ (2014) am 16. Jänner im Festspielhaus St. Pölten zu sehen.beijing

Die zweite Residenzkünstlerin der Saison ist Yuanyuan Wang, künstlerische Leiterin und Mitbegründerin des Beijing Dance Theatre. Nach ihrer Arbeitsresidenz in St. Pölten wird sie am 27. Februar eine neue Choreografie im Rahmen eines dreiteiligen Abends zeigen.

Das Musikprogramm der Saison 2015/16 in den Bereichen Klassik, World Music und Jazz hat ebenfalls Viel und sorgfältig Ausgewähltes zu bieten. Doch dafür sei hier auf die Homepage verwiesen, wo man auch die überaus günstigen Abonnements und Einzelkarten für die Veranstaltungen buchen kann.