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anpassung„Freies Theater heute. Vom Verlust der Vielfalt“ untertitelt die Theatermacherin, Kulturforscherin und Aktivistin Eva  Brenner ihre Anthologie zur „Wiener Theaterreform“ aus dem Jahr 2003. Nach zehn Jahren von offizieller Seite als „erfolgreich beendet“ bezeichnet, sorgt die Umstrukturierung in der Freien Theater-Szene immer noch für Diskussionen.

Die jüngste Entscheidung des Wiener Stadtrats für Kultur, Andreas Mailath-Pokorny, noch mehr Geld in die Musicalbühnen stopfen zu wollen, hat die Debatte über die Fördertöpfe in der Wiener Theaterlandschaft erneut aufleben lassen. In diese Diskussion passt Eva Brenners Buch „Anpassung oder Widerstand“, in der Autoren mit unterschiedlichem Background die Problematik von einer Reihe von Blickpunkten aus betrachten.

Theaterwissenschaftler, KünstlerInnen und InteressensvertreterInnen setzen sich mit der Wiener Theaterreform – teils als selbst Betroffene (aus dem Bereich Tanz ist Bert Gstettner vertreten) – aus theoretischer und praktischer Sicht auseinander. Das letztes Kapitel, „Theater des Widerstands“ behandelt die Theaterarbeit der Herausgeberin und wird durch Fotos von Produktionen und Veranstaltungen ergänzt.

Eva Brenner geht es in dem Buch nicht um eine objektive Darstellung der Folgen der Theaterreform (die jüngere Generation an Theater/TanzmacherInnen kommt nicht zu Wort), sondern vielmehr um einen Protest  gegen „den neoliberalen  Kahlschlag gegen die Reste der Alternativkultur der Post-1968-Jahre.“ Ursprünglich war es als Dokumentation des seit 15 Jahren von der Herausgeberin geleiteten „Projekt Theaters Studio/Fleischerei“ geplant, in dem sie ihr Theaterverständnis als „unvollendetes, nie zu beendendes Projekt“ realisierte. Erst im Laufe der Entwicklung wurde das Buchkonzept auf eine allgemeinere Thematik ausgeweitet. Brenners zentraler Kritikpunkt an der Theaterreform ist, dass das vorherige basisdemokratischen Gießkannenprinzips aufgegeben wurde zugunsten einer „Unterwerfung unter die Gesetze des Marktes!“ Das hätte eine Ausdünnung der Theaterszene zur Folge gehabt und die „Freiheit der Kunst“ angegriffen.

Das Bild der Unzufriedenheit mit der Wiener Theaterreform, wie sie in diesem Buch thematisiert wird, zeichnete sich bereits bei der vom Wiener iTi (Internationales Theaterinstitut der UNESCO) 2006 veranstalteten Enquete ab. Deren kontroversieller Ablauf wird im Buch von den Veranstaltern unter dem Titel „Nicht einmal aneinander vorbei. Zur monologischen Kultur der Theaterreform“ beschrieben. Die Autoren scheinen damit Marlene Streeruwitz’ einleitende Überlegungen im Aufsatz „Kulturrevolution kommt immer von oben!“ zu unterstreichen. Sie schreibt: „In der Wiener Kleinbühnenreform versteckt sich eine, um den Zwischenschritt der Kuratoriumsentscheidung vom Gegenstand der Kontrolle entfernte Aufsicht. Das ist sehr altösterreichisch. Eine Kommission legt Entscheidungen vor, die der Hegemon dann absegnen kann. Wenn es ihm passt. Andernfalls gibt es die nächste Kommission.  Die Kommissionsmitglieder sind schon durch ihre Ernennung angehalten, die Kommissionsentscheidungen zu verteidigen. Der Hegemon hat entschieden und die Lasten aus der Entscheidung gut auf andere verteilt. Denn. Wir sind in Wien …“

Damit bringt damit die Autorin die demokratiepolitisch bedenkliche Vorgangsweise des Wiener Kulturamtes auf den Punkt. Diese wird übrigens auch in der jüngsten Erwiderung des Wiener Kulturstadtrates auf oben angeführte Kritik zur Budgeterhöhung der Vereinigten Bühnen Wien ersichtlich. In seinem in Der Standard erschienen Kommentar zu dieser Kritik formuliert er „14 Thesen zur Wiener Theaterlandschaft“. These Nummer 14 lautet: „Wien bleibt eine der wenigen Städte, in der die Theaterlandschaft wächst und in der über die Verteilung von zusätzlichen Mitteln noch gestritten wird. Woanders kann man lediglich deren Streichung beklagen.“ Womit sich wohl aus Sicht des „Hegemons“ eine weitere Diskussion des Themas erübrigt.

Eva Brenner (Hg.): „Anpassung oder Widerstand“, Promedia Verlag Wien, 2013

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