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IMove14 iconDie Lehrmethoden in der Tanzwelt sind so verschieden wie die Lehr- und Tanzmeister:innen selbst. Da gibt es etwa den strengen Korrekturblick mit Androhung von Liebensentzug à la: „Ich werde Dich zwei Monate ignorieren, wenn Du das jetzt nicht hinkriegst!“

Da gibt es den feixenden Seitenblick à la: „Der Fettsack kriegt den Frosch nie richtig hin, obwohl er jünger ist als ich!“ (Kō M.+)   

Bei Rosalia Chladek, zu deren schwierigen, aber bemühten Schülern ich auch zähle, ist ja das Selber-Draufkommen, Selber-Erarbeiten im Vordergrund. Angaben der Dozentinnen werden oft lautmalend durch stimmliche Hebungen, Senkungen und Rhythmik vertont: „Jatadadadiiiiiiiija“, zum Beispiel. Mir kommt das als künftigem Tanzpädagogen sehr entgegen, da ich mir ohnehin nur wenig Text merken kann. 

Eine ebenso liebens- wie hörenswerte Begleitkulisse liefert meine Ballettlehrerin Hanae M. Um Spannung im Körper (nicht irgendeine Spannung: d i e  Spannung!) aufzubauen, heißt es „Po-po, bom-ben-fest!“ Wobei der Leserin klar sein muss, dass meistens ich alleine es bin, der im Kreis der allesamt zarten Balletteusinnen mit einem Bomben-Po-po dienen kann. „Danach gehen wir in ein saftiges Plié“. Oder „wir pressen mit unseren Oberschenkeln eine Orange aus“ (kommt daher wohl der Begriff Orangenhaut?) 

Ballettanfänger:innen haben oft nur einen einzigen Halt und Trost: die Barre, in die sie krampfend-zärtlich ihre sehnsuchtsvolle Verzweiflung drücken. „Bitte, Stange nicht würgen!“, lautet dann das Ersuchen.

Sie sehen schon: es gibt viele Wege, den Tanzenden die Wadeln zu richten. Aber ganz gleich, wie die Lehrenden es tun: sie machen es mit Hingabe und Begeisterung, mit Fachwissen und Herzblut. Und bringen weltweit uns Menschen in Bewegung, wofür wir ihnen dankbar sein dürfen.

Dankbar bin ich auch Ihnen, dass Sie meine Kolumne treu verfolgt haben (und hoffentlich manchesmal dafür auch mit einem Lächeln belohnt wurden). Nach einer kurzen Dusche geht es unter neuem Kolumnentitel hoffentlich bald weiter. Wenn Sie mir schreiben möchten, bitte, sehr gerne: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Der Journalist Christoph Mandl hat sich im reifen Alter entschlossen, eine Tanzausbildung im System Rosalia Chladek zu machen, über die er in der  tanz.at-Serie „I, move“ schreibt.

Zuvor: I, move (1): Volle Lehrkraft voraus