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Richter iconDie Kunst, meinte Gustav Mahler einmal, sei das Band zwischen ihm und den Wiener Philharmonikern. Den Tanz betreffend, könnte dies – ebenfalls mit Mahler im Sinn – leicht dahin gehend paraphrasiert werden, dass es die Kunst sei, die ihn mit der damaligen Protagonistin der Wiener Tanzmoderne Grete Wiesenthal verbinde. Denn Mahler war es, der dieser Jahrhunderttänzerin an „seinem“ Haus – der Wiener Hofoper – die erste Chance und damit den Anstoß für eine kometenhafte Karriere gab.

Was dies mit Hedi Richter zu tun hat, die am 2. Juni 2026 ihren 90. Geburtstag feiert? Mit jener aus Mährisch-Schlesien gebürtigen Wiener Tänzerin also, die zunächst als „Wiesenthal-Stilistin“ Triumphe feierte und später als Choreografin und Pädagogin die Tanzweise der Meisterin weiterführend variierte? Unendlich viel, denn als Fahnenträgerin in Sachen Wiesenthal hält sie den (Tanz-)Teil jenes Kosmos hoch, der untrennbar mit dem „Wiener Kanon der Kunst“ verbunden ist. Nicht nur dieser Teil speist sich aus der Vielschichtigkeit der Wiener Zwischenwelten. Es sind dies jene zwischen dem urbanen Bereich und dem Wiener Umland, der „Hochkultur“ und dem Populären, zwischen Präsentation in prunkvoller Umgebung und auf staubigen Tanzböden, zwischen auftrumpfendem Pathos und wehmütiger Heiterkeit, zwischen Bacchantischem und Mädchenblüte.

Wiesenthals Tänze spiegeln diese Vielschichtigkeit wider, und Hedi Richter wusste sie in ihren Kreationen zu bewahren. Dabei werden nicht nur Höhen und Tiefen von Stimmungs- und Emotionsräumen ausgekostet, sondern auch jene von Bühnen, in denen die solistisch Tanzenden oder auch eine größere verschworene Gemeinschaft zwischen schwingendem Bewegungsfluss und schwebendem Innehalten wechseln. Niemals linear oder kollektiv formiert, vielmehr individuell in übereinanderliegende Ebenen sphärisch oder bodenverhaftet geführt, unterstreichen die Tanzenden solcherart die Vielschichtigkeit der Walzer.

Indem Hedi Richter dies mit ihren Tänzen sichtbar macht, führt sie auch die Zeitlosigkeit der Wiesenthal vor Augen. Mit ihrer im untenstehenden Foto von Robert Hailwax festgehaltenen Gestaltung des „Donauwalzers“ für die Fernsehübertragung eines Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker – ausgeführt von Studierenden der Ballettschule der Wiener Staatsoper, an der Hedi Richter nach ihrer Karriere als Erste Solotänzerin der Volksoper Wien drei Jahrzehnte Wiesenthal-Technik unterrichtete – setzt sich die Choreografin selbst eine Krone auf.

Donauwalzer

Obiges Foto mag auch als Erinnerung daran gesehen werden, dass die Gewalt des Donaustroms im Wiener Raum erst nach der Uraufführung der Strauss'schen Komposition 1867 gebändigt wurde. Die erste Wiener Donauregulierung fand in den 1870er-Jahren statt.