BalanchineDer dreiteilige Ballettabend mit Werken von George Balanchine, Alexei Ratmansky und Martin Schläpfer ist auch in der aktuellen Spielsaison am Programm, in neuer Besetzung (siehe auch Premierenkritik auf tanz.at). Ihr Hausdebüt feierte dabei die Koreanerin Hyo-Jung Kang in Balanchines wunderbarem Stück „Symphony in three Movements“.

Es ist immer noch ein starkes Eröffnungsbild, wenn diese Phalanx aus sechzehn diagonal im Raum positionierten, in weiße Trikots gekleidete Ballerinas mit den typischen, komplexen Balanchine-Movements in „Symphony in three Movements“ zur Musik von Igor Strawinski loslegt. Die SolistInnenpaare des Abends waren Aleksandra Liashenko und Denys Cherevychko, Ketevan Papava und Gèraud Wielick sowie Hyo-Jung Kang und Marcos Menha. Balanchine-Choreographien erfordern die präzise, elegante und raumgreifende Linie. Diese Vorgaben sind für Kang spielend leicht zu bewältigen, für die Ballettchef Martin Schläpfer bereits früher eine Hauptrolle in der Stuttgarter Produktion „Taiyō to Tsuki“ gestaltet hatte. Dennoch würde man mehr Emphase mancher anderer TänzerInnen wünschen, denn eine derartig komplizierte Bewegungsabfolge bekommt ansonsten rasch eine gymnastische Note. Balanchine2

RatmanskyWieder sehr dynamisch und harmonisch fiel das darauffolgende „Pictures at an Exhibition“ von Alexei Ratmansky zum Klavierzyklus von Modest Mussorgski aus. Ratmansky verbindet so manches mit Balanchine, stammt er doch wie dieser aus St. Petersburg und reüssierte in New York. Ähnlich wie bei Balanchine geht es auch hier um komplizierte Strukturen und Gefüge, die sich bilden und schnell wieder ändern. Die Choreographie korrespondiert mit den im Hintergrund projizierten Bildern von bunten Figuren, die auf Wassily Kandinskys 1913 entstandener Farbstudie „Quadrate mit konzentrischen Ringen“ basieren. Hervorragend hier alle Paare: Rebecca Horner mit Francesco Costa, Elena Bottaro mit Andrey Teterin, Sonia Dvorak mit Davide Dato, Kiyoka Hashimoto mit Trevor Hayden und Maria Yakovleva mit Zsolt Török. Alina Bercu spielte wieder am Klavier, genauso vital wie bei der Premiere.

Martin Schläpfers „Sinfonie Nr. 15“ zu Dimitri Schostakowitschs gleichnamigem Werk ist ein Gruppenstück für das ganze Ensemble, das in dystopischer Stimmung und schwarz-weiß gehaltenem Hintergrund anthropologische Konstanten tänzerisch verhandelt: Liebe, Anziehung, Trennung, Einsamkeit. Schläpfers Stil basiert auch auf klassischer Technik, verlässt diese aber und öffnet einer erweiterten Körperlichkeit das Feld. Der Spitzenschuh bekommt hier eine andere Relevanz und wirkt mehr wie eine Requisite. Schläpfer hörte tief in Schostakowitschs letzte Sinfonie hinein und transformierte sie in ein lebendes Abbild menschlicher Zustände, was in dieser Aufführungsserie noch intensiver ausfiel als bei der Premiere im Juni.Schlaepfer

Das Orchester der Wiener Staatsoper leitete wieder sehr beherzt Robert Reimer.

Wiener Staatsballett: „Tänze Bilder Sinfonien“ am 24. September 2021 in der Wiener Staatsoper. 

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