"Visionary Dances“ nennt Ballettchefin Alessandra Ferri den neuen Abend des Wiener Staatsballetts. Die vielseitigen Tänzer*innen des Wiener Staatsballetts bringen diese Visionen allesamt zum Strahlen, agieren bestens als Ensemble, in dem Hierarchien verschwimmen, um eine kollektive Erfahrung zu generieren. Mit „Yugen“ beweist Wayne McGregor erneut, dass er im zeitgenössischen choreografischen Schaffen eine Klasse für sich ist. Nicht weniger visionär wirkt Twyla Tharps „The Upper Room“, ein Stück, das vor 40 Jahren entstand und gut gealtert ist. Justin Pecks „Heatscape“ entpuppt sich als Fortschreibung des American Ballet – allerdings bei hohem Tempo.
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„Mein erster Nussknacker“ nennt Eno Peci seine Version des Tschaikowski-Ballettklassikers. Dieses „erste Mal“ trifft auf den Choreografen ebenso wie auf die Tänzer*innen – Studierende der Ballettakademie und Mitglieder der Jugendcompagnie der Wiener Staatsoper – als auch auf einen Großteil des jungen Publikums im NEST zu. In dieser charmanten Interpretation betreten sie gemeinsam eine Traumwelt in Drosselmeyers Nuss- und Schokoladenladen.
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Drei Tage vor dem Uraufführungstermin am Bolschoi abgesagt (wegen des unbotmäßigen Regisseurs, sagen die einen, weil es zu schwul war, die anderen, weil es nicht fertig war, die dritten), Monate später, im Dezember 2017, doch zur Premiere gebracht (während der Regisseur in staatlich verordnetem Hausarrest saß), 2023 abgesetzt aufgrund des Verbots von „Propaganda nicht traditioneller Werte“: In der Geschichte des „Nurejew“-Projekts des Regisseurs Kirill Serebrennikov spiegelt sich im Kleinen die Menschenverachtung, mit der Putins Diktatur die russische Gesellschaft vergiftet. Jetzt ist „Nurejew“ in Berlin zu sehen, und das ist gut so. Aber ist auch gut, was da zu sehen ist?
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Fünf glitzergraue Figuren vor einer großen Leinwand, auf der sich kleinste Lebewesen unter Mikroskop lässig hin- und herbewegen. Die glitzergrauen Figuren ahmen die Bewegungen nach, übernehmen sie und kommen bald selbst ins lässige Hin- und Herbewegen. Eine Stimme im Hintergrund beginnt mit der Erklärung, und alles wird verständlich. Denn was sich da bewegt, sind Zilien, so etwas wie kleinste feinste Flimmerhärchen auf der Zelloberfläche, die das Leben in Bewegung halten.
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Yvonne Georgi – das ist doch Hannover! Hier leitete sie ab 1926 und erneut ab 1954 insgesamt 22 Spielzeiten lang das Ballett und bis 1972, drei Jahre vor ihrem Tod, 23 Jahre lang die Tanzausbildung der Hochschule. Georgis künstlerisches Schaffen verankerte Hannover auf der Landkarte der reisenden Tanzkritik der Zeit. Doch nicht im niedersächsischen Hannover, im thüringischen Gera trat die „frühe“ Wigman-Schülerin ihre erste Stelle als Ballettmeisterin an, wurde erstmals, wie das heute heißt, Ballettdirektorin: Zur Spielzeit 1925-26, 21 Jahre alt. Daran erinnert das Thüringer Staatsballett mit einem Strawinsky-Abend und, im Mai 2026, mit einem bemerkenswerten Festival.
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Ganz bestimmt ist diese Produktion ein Theater-Highlight der Saison: „L‘Opera seria“ zum Libretto von Ranieri de‘ Calzabigi und der Musik von Florian Leopold Gassmann. Hier gelang Regisseur Laurent Pelly eine höchst vergnügliche und intelligente Inszenierung des Werkes, das den Opernbetrieb seiner Zeit als Meta-Oper auf die Schaufel nimmt. Auch musikalisch war internationales Top-Niveau zu erleben, sowohl von den Sänger*innen, als auch vom Ensemble Les Talens Lyriques unter der Leitung von Christophe Rousset.
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Schwerfällig kämpft sich die Gruppe auf die Bühne, lehnt sich gegen ein Hindernis, das sie aus dem Weg räumen muss. Als das Ende des Weges erreicht ist, offenbart sich das Kirchenfenster in seiner ganzen Gestalt. Dies ist der Auftakt zu einer 100-minütigen Reise in die Apokalypse, die Marcos Morau und das Opera Ballet Vlaanderen zum Thema „Romeo + Julia“ unternehmen.