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VIVA LA VIDA: Rene Gasa Valga mit seinen beiden Fridas Lara Brandl & Alice AmorottiDer in Innsbruck lebende Katalane Enrique Gasa Valga leitete vierzehn Jahre lang sehr erfolgreich das Tanzensemble des Tiroler Landestheaters. Nach dem Intendantenwechsel 2023 wurde er nicht mehr verlängert und gründete seine Limonada Dance Company sowie das Festival Winter Dance Innsbruck. Weiterhin trifft er instinktsicher den Nerv seines treuen Publikums, indem er Künstler*innen-Biographien und berühmte Themen der Weltliteratur vertanzt. Choreographische Innovation ist dabei nicht sein Ziel, sondern die Menschen auf ästhetische Weise mit guten Tänzer*innen zu erfreuen. Dazu verhelfen nicht zuletzt solide Marketingstrukturen und professionelles Veranstaltungs-Management.

Tanz.at: Sie waren vierzehn Jahre lang sehr erfolgreich Ballettdirektor am Tiroler Landestheater Innsbruck unter den Intendant*innen Brigitte Fassbaender und Johannes Reitmeier. Dessen Nachfolgerin Irene Girkinger wollte Sie nicht verlängern. War das schmerzhaft?

Enrique Gasa Valga: Ich war überrascht, weil wir in all den Jahren gut ausgelastet waren, nie unter neunzig Prozent bei um die neunzig Vorstellungen pro Saison. Sowohl Fassbaender als auch Reitmeier haben sich nie in mein Programm eingemischt und mich immer unterstützt. Doch ich habe die Situation absolut resepktiert, denn das gehört am Theater bei Intendantenwechseln eben dazu. 

Ihr unfreiwilliger Abschied hat viele Ihrer zahlreichen Fans empört, denn Sie haben es offensichtlich geschafft, Menschen für Bühnentanz zu begeistern, die sich davor nicht damit beschäftigt hatten. Was war Ihr Plan danach?

Ich hätte natürlich an einem anderen Theater Tanzchef werden können, aber ich wollte unbedingt in Innsbruck bleiben. Hier lebe ich seit langem und habe Freunde, es gefällt mir einfach. Und ich mag den Winter und gehe gern skifahren.

Und so haben Sie etwas in der heutigen Zeit Beachtliches getan, nämlich eine Tanzcompany gegründet mit eigenem Studio in Innsbruck. 

Diese Idee entstand auch dank meines Freundes und langjährigen Unterstützers Christian Steinmayr. Er ist Unternehmer und ein großer Tanzfan, die ideale Kombination. Nach einigen Monaten Urlaub und vielem Nachdenken gab es dann plötzlich ein klares Ziel und die Limonada Dance Company war geboren. Denn alle meine früheren Tänzer*innen wollten weiter mit mir arbeiten. Zuerst dachte ich daran, eine typische Touring Company zu gründen, denn ein fixes Ensemble mit festen Strukturen aufzustellen, erschien uns als utopisch. Doch dann ergab sich außerdem das Innsbruck Winter Dance Innsbruck Festival und unsere Kooperation mit dem Deutschen Theater München. Und natürlich die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Limelight Live Entertainment, denn unser Motto war, wenn wir schon etwas Eigenes machen, dann richtig und professionell.

Winter Dance kann man auch ein wenig verstehen als Retourkutsche an Tirol, denn schon die ersten beiden Ausgaben konnten beweisen, dass es ein Publikum für Tanz gibt in West-Österreich. Und Ihre zahlreichen Fans reisen durchaus auch mehrere Kilometer an.

Die Menschen kommen, wenn man eine gute Geschichte erzählen kann mit den Mitteln des Tanzes. Ich bin auch stolz darauf, dass wir uns bisher über Sponsoring und Einnahmen finanzieren, ohne Subventionen. Und wir haben das große Glück, viele Karten zu verkaufen. Letztes Jahr waren es bei Winter Dance Innsbruck 11.000 Karten.

Ihr Erfolg liegt bestimmt auch an Ihrem Konzept, vorwiegend Künstler-Biographien und berühmte grosse Stoffe aus Oper und Literatur zu vertanzen. Winter Dance Innsbruck etwa bringt heuer „Carmen“ und „Saving Salvador – ein Tribut an Dalí“. Jetzt gerade war „Frida Kahlo“ sehr erfolgreich in Wien.

Ich choreographiere für alle Menschen, nicht nur für Ballett-Spezialist*innen, auch wenn ich mich natürlich über solche fachlichen Auseinandersetzungen freue. Ich komme ja schließlich vom klassischen Ballett. Doch glaube ich, dass es nicht klug ist, das Label „Ballett“ zu sehr auszuspielen bei Tanzproduktionen. Man hat eine größere Reichweite, wenn das nicht der Fall ist. 

Wählen Sie Ihre Stoffe anders aus, seit Sie frei produzieren?

Nein, ich habe immer solche Stoffe gemacht, die mich interessieren. Jetzt schaue ich aber besonders darauf, auch gute Live-Musiker*innen und Sänger*innen auf der Bühne zu haben. Das ist wichtig, denn so haben alle im Publikum etwas davon, denn Musik und Gesang mögen alle.

Wie fallen Ihnen die Themen denn so ein?

Ich arbeite sehr intuitiv und vieles ergibt sich einfach. Zum Beispiel verdanke ich meiner Mutter so manche Anregung. Sie war ein großer Fan von Romy Schneider und hat sich ein Stück von mir über diese Künstlerin gewünscht. Ihre Perspektive war sehr hilfreich. Und dann war sie die Krankenschwester von Salvador Dali in ihrem beruflichen Leben und hat mir Einiges über ihn erzählt. Natürlich war es wieder ihre Idee, ein Ballettstück darüber zu machen. Und dann denke ich, dass viele der Geschichten der Hochkultur einfach gute Geschichten sind, wie etwa der „Faust“-Stoff. Ich bin kein Intellektueller und habe das nicht studiert, und schon gar nicht will ich dem Publikum erklären, was „Faust“ bedeutet. Ich erzähle einfach eine interessante Story als Tanzgeschichte.

Hat es Sie nie gereizt, einen Ballettklassiker neu zu choreographieren?

Bisher nicht, diese Stücke sind für mich perfekt und ich habe sie auch gern getanzt, etwa August Bournonville-Choreographien am Scottish Ballet. Zu verändern habe ich mich das bisher nicht getraut, so wie etwa der geniale Mats Ek. Aber vielleicht wage ich es noch einmal. 

Welches ist Ihr Lieblingsballett?

Ganz klar Giselle.

Wann verwenden Sie eigentlich Spitzenschuhe?

Wenn es dramaturgisch sinnvoll ist, ich brauche einen Grund dafür. Aber meine Tänzerinnen lieben es, die wollen ständig in Spitzenschuhen tanzen. 

Wer sind denn Ihre persönlichen Lieblingschoreographen? 

Jiří Kylián, Maurice Béjart, Nacho Duato. Bei Kylian liebe ich seine Musikalität, seine Ästhetik, die Schönheit der Linienführung. Auch Duate, ein Schüler Kyliáns ist sehr musikalisch und auch poetisch, aber temperamentvoller. Béjart ist sehr schauspielerisch, manchmal wie ein Zirkus, sehr witzig. Ich muss sagen, es war ein großes Glück für mich, auch in solchen Choreographien zu tanzen. Aber ich mag auch HipHop.

Ihr Tanzvokabular ist klassisch geprägt, aber auch durchsetzt von Latin und anderen zeitgenössischen Elementen. Wie kreieren Sie Bewegung?

Sehr spontan, ich mache keine geistige Vorbereitung, außer dass ich weiß, was ich erzählen will. Meine Tänzer*innen kennen mich gut und wissen, was ich meine und sie setzen das sofort um. Momentan haben wir acht Werke am Laufen, und es ist wichtig, dass alle das gleiche Niveau und Können haben. Alle sind gleichzeitig Solist*innen und Corps-Tänzer*innen. 

Falls der Erfolg nachlassen sollte, können Sie sich vorstellen, wieder fix an ein Haus zu gehen?

Momentan genieße ich es, nach vierzehn Jahren an einem fixen Haus mit meiner Company dauernd unterwegs zu sein. Es macht mich glücklich, mit diesen Menschen zusammen zu sein. Falls sich das ändert, kann ich mir schon vorstellen, ein Angebot anzunehmen, wenn es passt. Tanz müsste aber an diesem fiktiven Theaterhaus einen hohen Stellenwert haben. Grundsätzlich denke ich, als Künstler muss man immer offen für alles sein. Es gibt’s nichts, was unmöglich ist.

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